Kjell Schiöberg ist schon seit einigen Jahren als Biestmilch-Triathlet rund um den Globus auf zahlreichen Wettkämpfen erfolgreich. Zuletzt beim Ironman 70.3 in Boise.

Hier sein Erfahrungsbericht
Die Erstauflage des Ironman 70.3 in Boise, Idaho ergänzt die Ironman 70.3-
Serie um ein weiteres Event in wunderschöner Landschaft. Boise befindet sich
im Herzen des US-Bundesstaates Idaho und liegt in einem eindrucksvollen Tal.
Eingeschlossen in die umliegenden Bergketten, auf 1200 Höhenmetern ist
Boise-Stadt relativ flach. Boise gilt als sportbegeisterte Stadt, jedoch ist
ein Ironman doch eine Gewöhnungssache für eine Stadt. Mit 250.000 Einwohnern
ist Boise zwar keine Millionenmetropole, doch ein so zentraler Großtriathlon
wie ein Ironman 70.3 mit ca. 1500 Startern legt einen Stadtkern lahm. Nicht
jeder war glücklich, da die Arbeitswege oder Sonntagsausflüge zu einem
Glücksspiel wurden. Eine Bekannte fuhr anstatt 16km ganze 63km, da es
keinen anderen Weg gab.

Der Flughafen Boise liegt zentral und die gute Infrastruktur machte es uns
Athleten einfach, eine Unterkunft zu finden, gut Essen zu gehen und die
Wettkampfvorbereitungen mit Anmeldung, Expo, Raceoffice, Racebriefing. Alles
war sehr zentral in einem Radius von 2 Block genau in Downtown Boise. Einzig
die getrennten Wechselzonen machten es ein wenig aufwendiger am
Vorwettkampftag. Um das Rad in die Wechselzone 1 zu bringen, musste man ca.
25km fahren und wurde dort an den unteren Parkplatz geleitet. Zum Leidwesen
aller Athleten mussten wir nun unser Rad ca. 1 1/2km den Damm hinauf tragen.
Ehrlich gesagt war das unnötig, da es einen kleinen Parkplatz direkt an der
Wechselzone gab. So wurde die Rad- und Beutelabgabe zu einer letzten,
ungewollten Einheit. Ich sprang noch kurz in den See, der von schmelzendem
Schnee gespeist wird und mit ca. 15 Grad mehr als frisch war. Nach nur
wenigen Sekunden spürte ich meine Füße nicht mehr und meine Nervosität
steigerte sich extrem, da ich grossen Respekt hatte vor dem Schwimmen am
Wettkampftag.
Start war um 7Uhr und mit der Anreise bedeutete dies um 3 Uhr aufstehen und
rein in die City. Das Parken war kostenlos in allen Parkgaragen, was das
Unterfangen um einiges erleichterte. Von der Parkgarage waren es wenige
Gehminuten bis wir am Busschuttle ankamen und zum Lucky Peak Dam gefahren
wurden. Kurz vor 5Uhr war die Wechselzone noch nicht einmal geöffnet und es
war extrem windig und kalt. Ich erledigte meine Vorbereitungen in aller Ruhe
und versuchte mich warm zu halten. 20 Minuten vor Start machte ich mich auf
in den Schwimmbereich und wollte nicht wirklich das Wasser testen. Uns wurde
kurz erklärt wie das Startprozedere ablaufen würde und so sollte es sein.
Wir schwammen hinaus zum Wasserstart und mussten für wenige Minuten
Wassertreten. Mir tat schon früh der Kopf weh, trotz meiner 3 Schwimmkappen
war es kaum auszuhalten.
Irgendeiner aus der MännerPro- Gruppe schwamm los und so ging es los ohne
Startschuss. Ich versuchte ein paar Füße zu finden. Leider gelang dies nicht
und so war ich schon früh alleine. Die Bojen waren gut gesetzt und auch groß
genug, nur der Wind machte aus einem ruhigen Seeschwimmen wieder ein
“welliges Wassertrinken”. Nach einem extrem kalten und leider viel zu langen
Schwimmen wollte ich schnell wechseln, was aufgrund meiner gefühlslosen
Finger nicht funktionierte. Ich bekam meine Armlinge einfach nicht
angezogen. Endlich geschafft, Helm und Sonnenbrille aufgesetzt und los
ging’s. Nur leider bedeutete die Wechselzonenlage auch, dass es die ersten
Kilometer nur bergab ging und meine durchgefrorenen Glieder noch zitterten,
so zitterte auch mein Rad, als ich mit nur 50km/h den Damm hinab schoss. Man
hätte auch locker 60-70km/h fahren können. Doch dann wäre ich nicht
angekommen.
So versuchte ich mich warm zu fahren und drückte auf meine Pedale. Es
klappte nicht richtig mit dem Warm werden, aber der Schnitt entwickelte sich
gut. Ich hatte einen 41er Schnitt bei km 10, doch von da an wurde es wellig
und ein wenig windig. So arbeite ich mich voran und nahm alle Aidstations
mit und sah mit erschrecken die Regenwolken in einiger Entfernung. Zum Glück
blieb ich auf dem Rad trocken und konnte trotz der kühlen Temperaturen einen
36er Schnitt halten. Ich war unter den Bedingungen und meinen körperlichen
Vorlieben einigermassen OK.
So ging ich motiviert auf die Laufstrecke. Ich flog an den ersten Athleten
vorbei und machte Druck. Mein Laufschnitt pendelte sich bei 6:25-6:32Minuten
pro Meile ein. Nach der ersten Meile mit Terrenzo an meiner Seite, die ich
in 5:29Minuten lief, musste ich runter fahren. Die Strecke verlief durch die
Grünanlagen der Stadt und es war eine wunderschöne Strecke, nur leider sehr
einsam. Alle Aidstations waren gut versorgt und ich konnte durchlaufen.
Einzig der Wendepunkt für Runde 2 war sehr unangenehm gelegen. Er führte
ungefähr 400 Meter an der Ziellinie vorbei. Zuschauer motivierten und ich
drückte diese Meile ein wenig zu sehr auf die Tube und zahlte die nächsten
zwei dafür. Nach 1:23,21Std. war der Halbmarathon erledigt und somit auch
mein erster Ironman 70.3 mit sehr coolen Erinnerungen. Mein Fazit ist auch
gleichzeitig ein Tipp an alle Ironman: “Wo immer ich am Start bin, erwartet
– kaltes Wasser, einiges an Wind – einfach ein wenig mehr zu bieten!”




