Lothar Leder wurde aufgrund der Ergebnisse einer freiwilligen einmaligen Blutabnahme vor dem IRONMAN Germany vom Veranstalter des Dopings bezichtigt. Testsysteme sind jedoch niemals 100% verlässlich, deshalb müssen so schwerwiegende Vorwürfe durch eine Kontrolltestung bestätigt werden. Im Fall Leder gibt es nur eine Verurteilung aber keine Kontrolle-Untersuchung.
Der Fall Leder erregt in Athletenkreisen und bei Freunden des Triathlonsports erhebliches Aufsehen. Wenn es zutrifft, was man gemeinhin liest, dass nämlich Lothar Leder aufgrund einer einmaligen freiwilligen Blutabnahme, deren Interpretation nach Ansicht der Initiatoren der Abnahme verdächtig war, als des Doping überführt gelten soll, dann ist das unwissenschaftlich und höchst unprofessionell. Ich enthalte mich auch hier jeder moralischen Stellungnahme, wenngleich die Versuchung groß ist.
Niemand wird beispielsweise bei einem einmalig positiven HIV-Test schon als krank eingeordnet. Es werden die Test in verschiedenen Testsystemen wiederholt, um möglichtst sicher zu gehen, keine Fehldiagnose zu stellen. Und nicht umsonst gibt es im Rahmen durchgeführter Dopingkontrollen eine A- und eine B-Probe.
Die Verlässlichkeit eines Testsystems wird nach seiner Sensitivität, d.h. wie viele der positiven Meßergebnisse waren richtig bzw.wirklich positiv, und nach seiner Spezifität beurteilt, d.h. wie viele der negativen Testergebnisse waren richtig bzw. wirklich negativ.
Ich habe Medizin studiert. Ich mag auch seitdem vieles vergessen haben, aber eines ist mir gut in Erinnerung geblieben: es gibt falsch positive und falsch negative Testergebnisse! Das heisst, dass ein verdächtiges Ergebnis in jedem Fall wiederholt werden muss. Dabei ist dann aber nur die Anfälligkeit des Testsystems an sich berücksichtigt und nicht die vielen anderen Fehlerquellen bei der Handhabung durch die den Test durchführende Person, die zudem noch möglich sind. Sie reichen von einfachen Fehlern beispielsweise bei der Blutabnahme direkt, bei Lagerung und Transport oder Meßfehlern im Labor.
Jedenfalls ist es unglaublich, dass ein Mensch aufgrund der Interpretation eines Ergebnisses durch eine Partei verurteilt werden soll.
Egal, wer hier wem traut oder misstraut…. wenn es wirklich so ist, dass Lothar Leder aufgrund eines einzigen Test-Ergebnisses des Dopings bezichtigt und bereits sanktioniert wird, dann widerspricht dies ganz und gar jedem wissenschaftlichen Standard, gleichgültig, wer in diesem Fall glaubt, die Moral für sich gepachtet zu haben.




July 30th, 2007 at 22:31
Was Sensivität und Spezifität von Testsystemen anbelangt: der Lehrsatz von Bayes ergibt immer wieder verblüffende Hinweise auf die Verteilung von Wahrscheinlichkeiten
beste Grüße
Fantoni
July 31st, 2007 at 08:54
Danke vielmals für die Anregung. Und große Freude von dir zu hören. Allerbeste Grüße, permanent vacation
July 31st, 2007 at 09:33
Das einzig positive in meinem Leben war der Dopingtest… haha
gruß,
fastfoot
July 31st, 2007 at 14:36
Es fällt mir schwer zwischen Realität, Medieninteressen und den Interessen jener zu differenzieren, die einfach nur PR machen wollen.
Wenn man sich die Mühe macht, Blutproben zu nehmen, warum dann nicht richtig? Mit A & B Probe etc. Warum gibt es im Triathlonsport noch nicht einmal Grenzwerte, sondern man argumentiert damit, “dass in anderen Sportarten vermutlich eine Schutzsperre erfolgen würde”? Und zu guterletzt: Warum warten Sportler auf Ihren Anwalt, bevor sie sagen, dass sie nicht gedoped haben?
Das alles macht es dem “unwissenden” und unparteiischen Betrachter sehr schwer.