Gestern fühlte ich mich wie vom Blitz getroffen, als ich erfuhr, dass Lothar Leder, einer der weltweit bekanntesten Triathleten des Dopings hoch verdächtig sein soll. Er hat mich in den Triathlon eingeführt, und er ist so etwas wie ein Freund.
Dazu fällt mir nun gerade ein Auspruch eines anderen mir sehr nahe stehenden Triathleten, nämlich von Chris McCormack ein, der mir einmal sagte: »Weisst du Susann, auch wenn einer ein netter Kerl ist, so heisst das noch lnage nicht, dass er nicht doped!« Ja, da hat Chris sicher recht hat.
Wie eine Lawine überrollen uns derzeit die Ereignisse: die Tour de France, die Leichtathletik, der Triathlon… jeden Tag eine neue Enthüllung. Die Saubermänner und Moralisten sind los.
Aber können wir wirklich so einfach auf das Individuum deuten, es als schlecht und verwerflich verurteilen und der betrügerischen Absicht bezichtigen? Sollten wir als Zuschauer oder Sponsoren uns nicht als Teil dieses tragisch eskalierenden Phänomens betrachten? Haben wir nicht ebenfalls Schuld an diesem Debakel oder vielleicht besser an diesem polternden spannenden Spektakel, das uns Voryeuristen des 21. Jahrhunderts ebenso in seinen Bann zieht, wie es uns abstösst und gleichzeitig noch ganz gut unterhält.
Spitzenleistungen, Einschaltquoten, Medienpräsenz bestimmen letztlich, ob man einen Hauptsponsor erhält und behält. Und trotz dieser seiner Anforderungen an das Indiviuum behält sich jeder Sponsor vor, seine »Schützlinge« im Falle von Verfehlungen - dazu zählt Doping - ohne Konsequenzen jederzeit fallen lassen zu dürfen.
Ist es nicht eine Krankheit, die unsere Mediengesellschaft
seuchenhaft befallen hat, dass immer die anderen schuldig sind? Folgen
wir hier nicht einem erschreckend einfachen Opfer-Täter-Prinzip?
Zudem hat die »Political Correctness«, die sich in den letzten
Jahrzehnten zu einer nahezu gemeinen Perfektion entwickelt hat, noch
das Ihrige dazu beigetragen. Der Tabu-Markt floriert. Die offene
kontroverse Diskussion findet kaum noch statt.
Es ist eben »political correct« Doping ohne Rücksicht auf die
Hintergründe zu verurteilen, ansonsten macht man sich ebenfalls
schuldig und verliert den festen Boden unter den Füssen eines
gesellschaftlich akzeptierten Wesens. Man wird sprichwörtlich zum
Unwesen. Das kann sich natürlich kein Sponsor leisten, da verurteilt
man lieber schnell das Individuum und distanziert sich.
Wie auch immer, ob gedoped oder nicht, wenn wir des Problems
irgendwie herr werden wollten, was ohne hin nur begrenzt möglich ist -
alle Extremsituationen kennen ihre Junkies, man denke nur an den Krieg,
die Einsamkeit, die Obdachlosigkeit, die Verzweiflung, den Schmerz…
etc. - dann müsste zum Beispiel erst einmal der Kursverlauf der Tour de
France so überarbeitet werden, dass er auch ohne Doping einen
spannenden fairen Wettkampf zuließe.
Oder ein anderer, vielleicht etwas bizarrer Vorschlag. Man gibt das
Dopen frei. Unterschiedliche Substanzen, die beim Doping zum Einsatz
kommen erhalten eine entsprechende Anzahl an (schwarzen) Punkten (je
nach dem wie massgeblich sie zur Leistungssteigerung beitragen), daraus
ergibt sich ein Score, der zu einem Punkte- bzw. Zeitabzug führt. So
kann sich jeder Sportler entscheiden, welchen Weg er einschlagen
möchte, um zu siegen.
Am Schluss möchte ich noch einmal daran erinnern, wie massgeblich Biestmilch
einem saueberen Sportler helfen kann, sowohl beim Erreichen von
Spitzenleistungen als auch bei der Regeneration. Vielleicht werden wir
jetzt im Sog der aufgedeckten Dopingskandale einmal ernster genommen.



