Im STERN dieser Woche geht es um das Thema Burn-out. Wir haben unter den mit Biestmilch behandelten Patienten eine ganze Reihe mit chronischem Müdigkeits-Syndrom (CFS). Man könnte das CFS als im Schweregrad an das Burn-out anschließende Erkrankung betrachten. Auch das Übertraining gehört in diese Kategorie und ist vielleicht die schwächste Form des CFS.
Biestmilch kann in diesen Fällen hervorragend eingesetzt werden. Sie steigert in jedem Fall das Energiepotenzial, wenn auch von Patient zu Patient ganz unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei manchen kommt die Behandlung einer Heilung nahe, bei anderen ist die Wirkung auf den Energiehaushalt irgendwann ausgereizt. Dann müssen andere Therapiekonzepte zusätzlich angewendet werden.
Ein CFS beginnt häufig wie ein grippaler Infekt. Auf den ersten Blick also etwas, dass sich mit ein paar Tagen Bettruhe und ASS auskurieren lässt. Doch jedes Jahr werden diese Symptome für einige Menschen zum jahrelangen oder lebenslangen Albtraum. Bevor allerdings die Diagnose CFS gestellt wird, muss eine Reihe anderer Erkrankungen, die zu ähnlichen Symptomen wie z.B. Karzinome, Virusinfektionen, Stoffwechselerkrankungen oder bestimmte psychische Störungen, ausgeschlossen werden.
Die Therapieversuche reichen von niedrig dosiertem Kortison über Schmerzmittel und Antidepressiva bis hin zu Immunglobulinen und Verhaltenstherapien. Die Behandlungserfolge sind meist von geringer Nachhaltigkeit, ändern am Krankheitsbild an und für sich wenig, bringen manchmal vielleicht eine vorübergehende Erleichterung.
CFS oder ein Immunsystem läuft sich müde
Irgendwann im Laufe der Entstehung des CFS, zu einem Zeitpunkt, da noch
keinerlei klinische Symptome zu beobachten waren, ist dem Organismus
wahrscheinlich etwas zugestoßen, ganz allgemein formuliert, es ist ihm
ein Unglück widerfahren, dessen Verarbeitung ihn langfristig in einen
Zustand der Erschöpfung treibt, die in erster Linie aus einer
Fehlregulation des Immunsystems und einer systemübergreifenden
Regulationsstörung zwischen Immunsystem, Hormonen und Nervensystem
resultiert.
Wenn die Symptome endlich spürbar ausgeprägt sind, dann
erinnert sich der Patient nicht mehr an dieses Trauma, die Spuren sind
verwischt. Der Behandler steht vor einem Zustand, dessen ursächlicher
Auslöser nicht mehr zu finden ist, und wenn dies doch der Fall sein
sollte, nützt ihm dies wenig, da sich ein Zustand stabilisiert hat, der
sich nur in seltenen Fällen noch beeinflussen lässt.
Wir wissen heute, dass das Immunsystem die für jeden Heilungsprozess
notwendigen Entzündungsreaktionen steuert, dass es dies nicht nur lokal
vor Ort tut, sondern auch dadurch, dass es Stoffwechselprozesse
umdirigiert und unser Verhalten verändert.
Es sorgt somit für eine Energieumverteilung zugunsten der Heilung und
veranlasst uns zu einem möglichst energiesparenden, schonenden
Verhalten.
Gelingt es dem Immunsystem nicht, die Heilung erfolgreich
abzuschließen, oder erhält es kein Signal, das ihm mitteilt „Heilung
erfolgt!“, dann bleibt der Körper über Monate unter dem ständigem
Stress reparieren zu müssen, wo letztlich nichts mehr zu reparieren
ist. Dann können sich Symptome einer chronischen Erschöpfung
entwickeln, wie sie bei CFS zu beobachten sind.
CFS nachgemessen
Bei Patienten mit CFS wurden erniedrigte Werte an Corticotropin
freisetzendem Hormon (CRH) und Cortisol gemessen. Es ist bis heute
nicht geklärt, ob dies einen Gewöhnungseffekt auf den Stressor
darstellt, oder ob bei CFS-Patienten kausal eine Depression der Hypothalamus-Hypophysen- Nebennierenrinden-Achse vorliegt. Jedenfalls
verringern zu niedrige Cortisolspiegel und deren gestörte zirkadiane
Freisetzungsrhythmen die Stressresistenz, vermindern den
Wachheitszustand und erhöhen die Müdigkeit. CRH hat im Zusammenhang mit
der Stressantwort großen Einfluss auf den Organismus. Tierstudien haben
ergeben, dass eine Erhöhung von CRH immer mit einer gesteigerten
Wachheit einhergeht, während eine niedrige Konzentration an CRH zu
Müdigkeit führt.
Untersucht man den Immunstatus der Patienten, trifft man häufig auf eine
Verschiebung der Zytokinfreisetzungsprofile von Th1 in Richtung Th2,
was einer eher allergischen Grundstimmung des Körpers entspricht. Man
misst eine erniedrigte Aktivität natürlicher Killerzellen und erhöhte
IL-1-Spiegel.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass
die auch im ZNS nachweisbaren und dort als Neuropeptide wirksamen
entzündungsfördernden Zytokine Interleukin-1 (IL-1) und der
Tumornekrosefaktor alpha (TNF alpha) trotz Th2-Verschiebung eine
wichtige Rolle für die Symptomentstehung bei CFS spielen. Sie
beeinflussen Schlaf und Appetit und induzieren im Rahmen des CFS
wahrscheinlich Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen,
Appetitlosigkeit und kognitive Defizite.



