In unserem Denken ist die Trennung zwischen Sein und Schein, zwischen Geist und Materie, zwischen Psyche und Physis, dem Diesseits und dem Jenseits fest verhaftet. Wir empfinden diese Trennungen als geradezu natürlich, was mit gottgegeben gleichgesetzt werden kann und damit letztlich als nicht mehr hinterfragbar gilt. Somit sind diese Trennungen für uns nicht nur Realität, sondern Wahrheit. Selten kommen wir auf den Gedanken, dass sie Phänomene und Artefakte unserer Kultur sind.
Kaum jemals trennen wir uns von diesen alles bestimmenden Dualismen. Denn wer würde sich schon von einer Wahrheit trennen wollen, die in der Gesellschaft alle Macht besitzt.
Heute ist die Naturwissenschaft zum Wahrheitsproduzenten Nummer 1 geworden. Sie hat Gott, der diese Bedeutung früher inne hatte abgelöst. Gott hat diese Position verloren. Die Macht liegt deshalb im 21. Jahrhundert bei der Naturwissenschaft, die wiederum ein Produkt unserer westlichen Welt ist.
Alle die genannten Trennungen gehen auf die alten Griechen zurück. Und stellen Sie sich vor, an diesem unserem Denken hat sich bis heute nichts verändert. Auch wenn ganzheitliche Naturheilkunde und im nächsten Schritt Esoterik Hochkonjunktur haben, sind wir nie modern gewesen, wie Bruno Latour seinem gleichnamigen Buch schreibt, in dem er genau diese unserem Denken inhärenten Teilungs-Aspekte herausarbeitet, Teilungsaspekte, die in der Naturwissenschaft zur Spitze getrieben wurden und werden. Es ist eine Entwicklung, die bereits die Züge eines Dilemmas annimmt, vor allem dann, wenn man sich überlegt, wie weit uns die Naturwissenschaft bei der Lösung drängender Probleme wie der chronischen Erkrankungen gebracht hat.
Das Dilemma ist, dass wir uns zu Gefangenen linear-kausaler
Zusammenhänge gemacht haben, die einst im alten Greichenland geboren
wurden. Mit dem Wahrnehmen des Anderen jenseits der Dualität tun wir
usn sehr schwer, tun es als unwissenschaftlich ab.
Das Chinesische Denken ist beispielweise ganz anders strukturiert.
Es kennt den Begriff des »Seins« nicht, und es gibt kein Verb, das dem
unsrigen »sein« entsräche, damit existiert auch kein »ich bin«. Das
Chinesische vollzieht keine Trennung zwischen Geist und Materie. Es ist
das Werden, der Prozess und das Leben als vitale Kraft, die im Zentrum
stehen. Die Kenrfrage ist, wie nähre ich diese vitale Kraft-
Hier schliesst der Begriff des Tao, des Fließens an… niemals steigen wir in den selben Fluss!
In unserem Denken hat nur die Quantentheorie an den Grundfesten des
klassischen griechischen Denkens gerüttelt. Vielleicht tut sie sich
deshalb so schwer von uns verstanden zu werden. Dass so ein
umstürtzlerisches Gedankengut aus einer so harten Wissenschaft wie der
Physik geboren wurde, müsste uns eigentlich ernsthaft an unserem
Wahrheitbegriff zweifeln lassen.
In der Quantentheorie treten oftmals Aspekte der Realität zutage,
die sich zunächst auszuschließen scheinen, wie Teilchen und Welle. So
können Elektronen entweder je nach Versuchsanordnung entweder das
Verhalten von Teilchen oder von Wellen zeigen. Die Quantentheorie
überwindet diesen Gegensatz, indem sie auf die Existenz einer
ganzheitlichen Realität vor der Messung verweist. Die komplementären
Aspekte Welle/Teilchen treten erst zutage, wenn man diese ungeteilte
Realität experimentell zu erfassen versucht. Das heisst der Beobachter
wird eingeführt. Der Beobachter verändert den Zustand des Systems.
Ich greife dieses Thema auf, weil wir mit Biestmilch eigentlich eine
Substanz vor uns haben die jenseits der klassischen Denk-Dispositive
verortet ist. Hier liegt auch der Grund dafür begraben, auch wenn das
jetzt sehr großspurig klingt, warum Biestmilch sich so schwer tut, sich einen Weg in unsere Köpfe zu bahnen.
Die Frage, ob wir uns Gutes damit tun, die Naturwissenschaft immer
mehr in den Partikularismus hinein zu jagen, muss wohl gestellt werden,
vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Myriaden von
experimentellen Ergebnissen zu irgendwelchen Teilaspekten von
Teilaspekten von Teilaspekten usw. usw. usw. dieser Realität von keinem
mehr zu einem Ganzen zusammengefügt werden können.
Die Sehnsucht, so scheint mir, nach Ganzheiltlichkeit, nimmt in dem
Maße bei uns Menschen zu, in dem die faktische, experimentelle
Atomisierung unsere Umwelt zunimmt.
Ich persönlich liebe die Qunantentheorie für ihre Sicht der Dinge.
Ich bin der Ansicht, dass uns ihr Denkstil helfen könnte,
ganzheitlicher zu werden, und damit moderner.
Angeregt wurde ich zu diesem Beitrag durch den Artikel über Wolfgang Pauli, den berühmten Quantenphysiker, in der Neuen Zrücher Zeitung.



