Es ist März und die Hochzeit der Traininglager. Jeder, der etwas mehr für sich plant, als nur zum eigenen Vergnügen und eigenen Entspannung Sport zu betreiben, ist auf dem Weg nach Mallorca, Sardinien, Sizilien oder auch nach Übersee, um sein Leistungsniveau auf Vordermann zu bringen.
Gerade gestern hatte ich ein Gespräch mit Bärbel Kaiser von www.tri2b.com, einem unserer sehr guten Geschäftspartner aus dem Bereich Ausdauersport. Wieder einmal musste ich feststellen, wie wenig die dort arbeitenden ambitionierten Sportler vom Potenzial der Biestmilch aufgenommen haben, obwohl wir schon Jahre zusammenarbeiten, und ich dort schon einige Artikel zum Thema publiziert habe.
Aus diesem Anlass möchte ich das Thema Muskelanpassung aufgreifen, dass jetzt in all den Trainingslagern sicher Ziel Nummer 1 darstellt. Es wird gedrückt, geschrubbt, man macht sich fertig, konzentriert sich auf Laktatwerte und neuerdings auch auf Schwankungen bei der Harnstoffausscheidung. Ich möchte einen ganz anderen Aspekt ins Treffen führen, der diese Werte stark relativiert und die Regulation als zentrales Funktionsprinzip des Körpers in den Vordergrund stellt.
Muskelanpassung: Der Vermehrung von Muskelfasern (Hyperplasie) und deren Verdickung (Hypertrophie) geht eine Mikroverletzung, Minimuskelfaserriss, voraus.
Die Folge ist ein Entzündungsprozess, dem ein Heilungsprozess folgen sollte. In der Phase der Heilung beginnt die Eiweißsynthese und damit der Aufbau der Muskelfasern. Heilungsprozesse bezeichnet man im Rahmen der Muskelanpassung auch als Reparaturvorgänge oder Regenerationsprozesse.
Der Körper funktioniert nicht nach einem einfachen Kausalitätsprinzip
Bei Hobbysportlern sind zum Zeitpunkt der Erschöpfung in der Regel weniger als 30% der aller vorhandenen Muskelfaser-Motoreinheiten aktiv. Elite-Athleten rekrutieren einen größeren Anteil ihrer Muskelfaser-Reserve. Das Maximum übersteigt unter den selben Bedingungen aber offensichtlich dennoch nicht 10% bis 20% der bei Hobby-Athleten aktivierten Fasern. Es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass bei einer Ausdauerbelastung über einer Stunde mehr als 50% der Muskelfaser-Motorneuronen-Einheiten aktiviert werden.
In großer Höhe werden Belastungseinheiten deshalb abgebrochen, weil die Symptome der Atemnot unerträglich werden. Es gibt keinerlei Hinweise, dass zum Zeitpunkt des Leistungsabbruches in irgendeinem Organsystem das Gleichgewicht gefährdet wäre. Das Muskel-Laktat ist niedrig, die Auswurfleistung des Herzens ist submaximal und nichts deutet auf eine Unterversorgung des Muskels mit Sauerstoff hin.
Nach einer Sprintbelastung ist der pH-Wert des Blutes selten unter 7,1 und der der Muskeln unter 6,6. Man kann also nicht von einem aufgrund von Stoffwechselabbauprodukten sauren Muskel sprechen. Eine drohende Azidose (Übersäuerung) des Stoffwechsels wird immer zuerst über die Atmung kompensiert. Deshalb steigt die Atemfrequenz, Wasserstoffionen, die uns sauer machen, werden abgeatmet. Die Atemnot und die damit verbundenen Empfindungen führen zu einem bewussten Abbruch der Belastung und nicht ein saurer Muskel. Der Gehalt an ATP, einem Maß für die Energiereserve im Skelettmuskels, unterschreitet unter allen denkbaren bisher untersuchten Belastungssituationen selten 50% der Ruhewerte. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt wie klein die totalen ATP-Speicher im gesamten Muskel sind. Das heisst jedoch, dass die ATP-Konzentrationen unter Belastung eben so streng kontrolliert werden wie in Ruhe.
Was wollen diese Beispiele sagen? Bedeuten sie nicht, dass sich alle Organsysteme in einem Zustand des Gleichgewichts (Homeostase) befinden, auch wenn der Körper einen totalen Erschöpfungszustand erlebt, und dass nicht der Muskel das Kommando gibt, die Leistung herunterzufahren? Erholt sich ein gut trainierter Sportler im Ziel deshalb so unglaublich rasch? Wäre das Gleichgewicht der Organsysteme ernsthaft bedroht, dann würde ein Schockzustand drohen, der einen Aufenthalt im Krankenhaus erfordern würde. Das ist jedoch, wie jeder weiss, äußerst selten der Fall.
Widersprechen diese Beispiele nicht Ihren Vorstellungen von der Leistungsgrenze?
Der Organismus ist hier vereinfacht als motorisches Energiesystem dargestellt. Über eine Vielzahl von Sensoren werden die Aktivitäten des Organismus ebenso wie Umwelteinflüsse registriert und verarbeitet.
Der Schrittmacher im zentralen Nervensystem kalkuliert die Gesamtheit aller eingehenden Impulse und vergleicht das Ergebnis mit dem Sollwert. Der Sollwert gibt die Referenz für Korrekturen vor. Er repräsentiert Normwerte, die erfüllt sein müssen, damit das Überleben zu jedem Zeitpunkt der körperlichen Belastung gewährleistet ist.
Der Schrittmacher sendet die entsprechende Korrekturen an die Peripherie (Skelettmuskel, Herz, Atmung etc). Nachdem die Anpassung an die neue Situation erfolgt ist, beginnt der Prozess erneut. So entsteht ein stabiler um eine Baseline oszillierender Zustand.
So oszilliert beispielsweise die Herzfrequenz, der Glukosespiegel, die Anzahl aktivierter Muskelfasern.
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