Eines möchte ich noch vorweg schicken: Ich habe einige Dinge sehr grundlegend geändert, sowohl im »körperlichen Training«, als auch im mentalen Bereich. Und dies führte nun, ganz offensichtlich jedenfalls, zu einem (!) erfolgreichen Rennen.
Nicht mehr und nicht weniger. Das sage ich deshalb, da ich weiss, wie »dünn« das Eis noch ist…und »neue Wege« an Anfang immer leichter zu funktionieren scheinen: man erhält allein durch den veränderten Ansatz schon so viel neue Motivation, dass die Dinge einfacher von der Hand gehen.
Welche enormen Möglichkeiten der Bereich des mentalen Trainings bietet ist ebenso unumstritten, wie für die meisten unter uns »nicht greifbar«.
Unser Vetriebsleiter bei Skinfit ist auch studierter Psychologe. Da ich immer wieder mit Robert darüber sprach, welche »enormen« Leistungen mit Hilfe der »richtigen« mentalen Einstellung möglich sind, haben wir irgendwann das Projekt »Mario, der meint nicht laufen zu können« ins Leben gerufen.
Wir glauben mittlerweile erkannt zu haben, dass es beim mentalen Training viel weniger darum geht, über sich hinaus zu wachsen, als viel mehr darum, »einfach nur« seine Fähigkeiten umzusetzen.
Das klingt einfach, ist es auch eigentlich…aber eben nur, wenn man sich einmal von seiner liebgewonnenen, zementierten Sicht auf sich und sein Umfeld verabschiedet. Das klingt wiederum einfach, ist aber letzen Endes ein schwieriger Prozess…sehr schwierig, wie ich nach wie vor finde.
Ein Beispiel, Natascha Badmann, Hawaii 2005
Im Ergebnisbogen steht sie wie so oft hinter der Ziffer „1“. Business as usual sozusagen. Doch welch unglaubliche mentale Leistung sie in diesem Rennen vollbrachte, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Natascha galt als bestenfalls durchschnittliche Schwimmerin, exzellente Radfahrerin, die dann noch ihren Vorsprung mit einem stabilen Marathon nach Hause rennen kann… niemand hatte sich bislang ernstlich Gedanken darüber gemacht, was passieren könnte, wenn Natascha nach dem Radfahren nicht an Position 1 ist und »nur« noch den Vorsprung zu verteidigen braucht.
Also noch mal: Natascha = schlechte Schwimmerin, ausgezeichnete Radfahrerin und durchschnittliche Läuferin.
Die nur logische Antwort auf eine Rennsituation in welcher Michelie Jones (gute Schwimmerin, starke Läuferin) bereits nach dem Radfahren führt (so geschehen Hawaii 2005), kann eigentlich nur lauten: Michelie Jones gewinnt das Rennen, Natascha wird bestenfalls zweite.
Wäre die Sicht Nataschas auf ihr sportliches Leistungsvermögen das gleiche gewesen, wie das der meisten Beobachter, wäre das Rennen auch sicher so ausgegangen. Ist es aber nicht! Weil Natascha sich selbst nie als bestenfalls mittelmäßige Läuferin eingeschätzt hat… sondern, weil sie von sich als Athletin im Ganzen überzeugt ist.
Bis zu diesem Rennen war sie nie darauf angewiesen gewesen, ihr volles Potential auszuschöpfen, da gutes Radfahren für den Sieg bereits ausgereicht hatte. Und nun kam jemand daher, der ihr diese »Gewissheit«ins Wanken brachte… und was passiert: Sie gewinnt trotzdem. Weil es ihr weitestgehend egal war. Es interessierte sie schlicht und ergreifend nicht, dass da nach dem Radfahren jemand schneller war…alles was sie machte, war, ihre an diesem Tag bestmögliche Performance zu zeigen. Sie ist nicht daran zerbrochen, nach dem Radfahren nicht zu führen.
Was ich damit sagen möchte:
Sie ist an diesem Tag nicht durch mentale Überlegenheit über sich hinaus gewachsen, sondern sie hat an diesem Tag, genau wie in jedem anderen Rennen, die für sie an diesem Tag bestmögliche Leistung erbracht. Fertig.
Zurück zu unserem kleinen, für den Weltsport unbedeutenden, für mich aber wichtigen Projekt…
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